News

IM INTERVIEW: MACH DEIN DING! BERNADETH UND SIMON SIND IN EINEN ORDEN EINGETRETEN

Im Interview: Mach Dein Ding! Bernadeth und Simon sind in einen Orden eingetreten

Veröffentlicht am: 01. Juli 2012
Im Interview: Mach Dein Ding! Bernadeth und Simon sind in einen Orden eingetreten

Mach dein Ding!

Was wird aus mir? Was macht mich glücklich? Wo geht‘s hin? Nie zuvor standen einem so viele Möglichkeiten offen. Nie zuvor musste man allerdings auch so viele Entscheidungen treffen. Ganz schön kompliziert dieses Leben! Nicht immer einfach war auch der Weg von Bernadeth und Simon. Vor Kurzem sind sie in einen Orden eingetreten. Wir haben mit beiden über ihren mutigen Schritt gesprochen.

„Ich trete in einen Orden ein!“ Wie haben eure Eltern reagiert, als ihr ihnen eure Pläne eröffnet habt?

Bernadeth: Es hat nie ein richtiges Gespräch stattgefunden. Ich habe ihnen einfach gesagt, ich trete ein. Da war ich 21. Später hat mir meine Mutter einmal gesagt, dass sie schon immer ge spürt hat, dass ich das machen möchte.
Simon: Es war schwer, mit ihnen zu reden. Nicht, weil sie kein Verständnis hätten, sondern weil es einfach eine enorme Überwindung kostet, so etwas zu sagen.


Warum war es so schwierig?

Simon: Dass der Sohn Ordensmann wird, ist heute ja nicht das, was Eltern möchten oder erwarten. Ich bin der Jüngste von drei Kindern, da wollen die Eltern schon, dass man einen Beruf und ein gutes Auskommen hat. Und dann zu erzählen: Ich will mich auf ein Abenteuer einlassen, etwas Unerwartetes probieren, ich will in einen Orden – das kostet einfach Überwindung. Ich habe mehrere Anläufe gebraucht, um mit meinen Eltern darüber zu sprechen. Das zog sich über Monate.
Bernadeth: Ein paar Widerstände gab es bei meinen Schulfreunden. Einige von ihnen wollten mir das ausreden.


Und deine Reaktion?

Bernadeth: Ich hab dann immer geantwortet, dass ich spüre, dass das momentan mein Weg ist, und dass es sich richtig anfühlt. Was in 20 Jahren ist, das wissen wir beide nicht.

Viele Ordensleute berichten von einem Schlüsselerlebnis, das sie in ihrer Entscheidung bestärkt hat.

Simon: Einen Erweckungsmoment hatte ich nie. Die Idee, Salesianer zu werden, kam mir während meines Theologiestudiums in Benediktbeuern. Ich erinnere mich an eine Zeit nach dem letzten Jugendtreffen „Come to Bosco“ in Turin 2009. Danach hatte ich einige Wochen Schwierigkeiten einzuschlafen, denn da habe ich mich fest bei den Salesianern ge sehen.
Bernadeth: Einen echten Erleuchtungsmoment gab es auch bei mir nicht. Es war ein Weg des Suchens und Findens, nach der Sehnsucht der richtigen Lebensentscheidung.

Schon einmal Zweifel gehabt?

Simon: An dem Lebensweg an sich nie. Dass man bei den Gelübden Schwierigkeiten in bestimmten Dingen hat, das hatte ich schon, vor allem im Vornoviziat. Ich hatte zwar keine feste Beziehung. Trotzdem ist die Frage nach der Ehelosigkeit eine ganz zentrale. Für mich war es ein Problem, dass ich keine Frau und keine Kinder haben werde und meine Eltern keine Enkel. Da musste ich lange dran kauen. Dann waren es aber meine Eltern, die gesagt haben: Enkelkinder zu haben, das ist nicht das Wichtigste. Hauptsache, unsere Kinder sind glücklich.
Bernadeth: Klar hab ich auch mal an meiner Entscheidung gezweifelt. Vor allem im Noviziat. Später habe ich aber gespürt, dass ich davon loslassen muss, dass meine Entscheidung davon abhängt, ob ich was kann oder nicht kann, also ob ich zum Beispiel allen Situationen im Umgang mit den Jugendlichen gewachsen bin. Wichtiger ist, dass die innere Stimmigkeit, also die Überzeugung, den richtigen Weg zu gehen, da ist.

Was ratet ihr jungen Menschen, die noch nicht sicher sind, welchen Weg sie einschlagen sollen, die zum Beispiel auch darüber nachdenken, einem Orden beizutreten?

Bernadeth: Wenn ihr auf der Suche danach seid, was ihr im Leben einmal machen sollt, vertraut auf eure Fähigkeiten und hört auf eure Sehnsucht. Ich bin überzeugt davon, dass man das innerlich spürt, wo es einmal hingehen soll. Wenn euch das Ordensleben interessiert: Schaut euch den Orden doch einfach mal näher an. Wir Schwestern bieten zum Beispiel an, dass die Jugendlichen eine Zeit lang bei uns mitleben und so erfahren, wie unser Alltag ist – ganz unabhängig davon, ob sie später einmal eintreten oder nicht.
Simon: Stell dich der Frage: Kann ich mir das vorstellen? Was ist das Besondere am Ordensleben? Man verliert dabei ja nichts. Man muss sich selbst Fragen stellen, sich informieren und einfach ausprobieren. Seid mutig und geht euren Weg!


Interview: Angelika Luderschmidt

zurück zur Übersicht