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47 JUNGE MENSCHEN BEREIT FÜR FREIWILLIGENDIENST IM AUSLAND

47 junge Menschen bereit für Freiwilligendienst im Ausland

Veröffentlicht am: 19. Juli 2011
47 junge Menschen bereit für Freiwilligendienst im Ausland

Eine große Weltkarte mit vielen bunten Markierungen lehnte vorne am Altar der Don Bosco Kirche St. Winfried in Bonn. Sie zeigte den etwa 70 Angehörigen und Mitarbeitern, wohin es die zumeist frisch gebackenen Abiturienten in knapp einem Monat verschlägt. In dem feierlichen Entsendegottesdienst bekamen die Zuhörer auch dank der einfühlsamen Predigt von Pater Stefan Stöhr SDB einen Eindruck davon, was die jungen Leute erwartet. Etwa Straßenkinder in Indien betreuen, Englischunterricht in Argentinien geben, Brunnen bauen in Brasilien- aber auch Einsamkeit aushalten, fremde Kulturen verstehen lernen und sich selber von einer anderen Seite kennen lernen.

In Bonn und Benediktbeuern kann man sich bei den Salesianern Don Boscos für einen einjährigen Dienst im Ausland bewerben. So wie David aus Goslar, der nach dem ganzen Abistress keine Lust mehr aufs Büffeln hat. Er wird ein Jahr in der Dominikanischen Republik leben und mit Kindern aus armen Verhältnissen arbeiten. Der Neunzehnjährige möchte anschließend BWL studieren- und wagt ganz bewusst vorher den Blick über den eigenen Tellerrand. Ähnlich geht es auch Johannes (19) aus Gunzenhausen. "Natürlich kann ich nur für mich selbst sprechen: Ich möchte möglichst viel von der Welt sehen und verstehen - und gleichzeitig eine Erfahrung vermeiden, die sich auf bloßes Konsumieren beschränkt. Der Freiwilligendienst in Indien gibt mir die Möglichkeit, etwas von dem zurückzugeben, was ich in meinem bisherigen Leben bekommen habe, und dafür ungleich mehr an Erfahrung zu erhalten; ganz ohne materiellen Ausgleich.“

Neun Monate lang wurden die jungen Menschen in mehreren Vorbereitungsseminaren auf ihren Einsatz vorbereitet. Wie gehe ich mit persönlichen Krisen um, wie richte ich mir ein Konto ein, was passiert wenn ich mal krank werde? All dies wird in der Vorbereitung durchgesprochen. Eine unschätzbare Hilfe sind dabei die ehemaligen Teilnehmer, die bei der Vorbereitung helfen und ihre Erfahrungen weitergeben können. Inzwischen gibt es mehrere Stammtische in ganz Deutschland von ehemaligen Don Bosco Freiwilligen. Denn so ein Auslandsaufenthalt verändert das ganze Leben. Der vielzitierte Kulturschock beispielsweise, trifft die meisten erst nach ihrer Rückkehr in Deutschland. Der eigene Wohlstand und das Konsumverhalten wird plötzlich kritisch hinterfragt.

Genau diesen Perspektivwechsel möchte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit seinem Freiwilligendienst Weltwärts erreichen. In Bonn und Benediktbeuern ist man über die finanzielle Unterstützung des Ministeriums dankbar- und wünscht sich doch mehr Planungssicherheit. Mitten in der Vorbereitung bekamen die Koordinatoren der Don Bosco Volonteers gesagt, dass weniger Plätze als geplant zur Verfügung stehen. Statt acht Jugendlichen einfach wieder abzusagen, haben sich die Mitarbeiter um alternative Finanzierungsmöglichkeiten bemüht und konnten trotz vieler Schwierigkeiten alle Zusagen halten. Auch für 2012 sind nur 30 Millionen statt den ursprünglich zugesagten 40 Millionen Euro im Bundeshaushalt eingeplant.

Noch knapp ein Monat bleibt zur Vorbereitung auf das einjährige Abenteuer und die Nervosität der Teilnehmer steigt. „Bei unserer Entsendefeier im Kloster Benediktbeuern waren unsere Jugendlichen total aufgeregt. Dem ein oder anderen haben auch ein wenig die Knie gezittert,“ lacht Koordinator Francesco Bagiolini, der die 22 süddeutschen Teilnehmer in insgesamt drei Vorbereitungsseminaren gut kennen gelernt hat. Lisa hingegen ist weniger nervös. Die letzen vier Jahre hat die 18jähige auf Kuba verbracht, davor war die Familie ebenfalls in der ganzen Welt unterwegs. „Ich liebe Lateinamerika und freu mich total auf meine neue Aufgabe in Ecuador. Ich werde im Norden Quitos in einem Don Bosco Kindergarten für alleinerziehende Mütter arbeiten, der es den Frauen ermöglicht arbeiten zu gehen und die Familie zu ernähren.“

Die 47 neuen Don Bosco Volunteers werden hautsächlich in Entwicklungs- und Schwellenländer ausreisen, darunter auch in sehr unbekannte Staaten wie Ost-Timor (bei Indonesien) und Madagaskar. Auch Europa ist in der diesjährigen Auswahl berücksichtigt, drei der Freiwilligen werden über den Europäischen Freiwilligendienst nach Holland, Schottland und Dänemark gehen.

(Ulla Fricke)

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